Wright: "Ich war lieber der Bösewicht"Di 01.Nov. 16:14:00 2011
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E-MailDruckenAlex Wright ist der erfolgreichste deutsche Wrestler aller Zeiten. Er stand jahrelang bei der WCW unter Vertrag und seine Matches sind in der "WWE Vintage Collection" regelmäßig zu sehen. Im Interview spricht er über seine Karriere, das Leben als Sports-Entertainer und zukünftige Projekte.
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Alex, du wurdest Anfang der neunziger Jahre von der WCW anlässlich einer Deutschlandtour entdeckt und hattest dann eine sehr erfolgreiche Zeit in den USA. Wie war es, plötzlich Fernsehstar zu sein? Hast du die Zeit bei der WCW genossen?
Alex Wright: Ich war damals noch sehr jung. Es war eine unglaublich aufregende Zeit. Es ist am Anfang sehr schwer, sich dieser neuen Lebenssituation anzupassen. Du stehst im Rampenlicht, jeder kennt dich, du musst nie Eintritt bezahlen und schwebst auf Wolke sieben. Zwischenzeitlich habe ich auch mal den Boden unter den Füßen verloren. Ich dachte, ich sei unverwundbar. Meine Verlobte hat mich aber dann recht schnell wieder auf den Boden der Tatsachen geholt.
Hand aufs Herz: Hast du lieber den "sympathischen" Alex Wright mit dem unvergessenen Tanz zum Ring verkörpert oder warst du lieber der "hinterhältige" Berlyn?
Wright: Der Bösewicht zu sein hat mir persönlich immer besser gefallen. Privat bin ich eher ein lockerer Typ und sehr umgänglich. Aber als Heel (Bösewicht, Anm. d. Red.) kannst du die Leute provozieren und dich richtig ausleben. Es ist fantastisch, wenn man die Reaktionen der Zuschauer spürt.
Mit welchen Kollegen stehst du noch in Kontakt? An was erinnerst du dich noch, wenn du an die großen Matches gegen Triple H, Ric Flair oder Brian Pillman zurückdenkst?
Wright: Vor meinen ersten Kämpfen gegen große Stars war ich immer sehr nervös. Von solchen Legenden kann man natürlich sehr viel lernen. Eigentlich habe ich jede Minute davon genossen.
Wenn du das Rad der Zeit zurückdrehen könntest, würdest du alles wieder genauso machen?
Wright: 90 Prozent meiner Entscheidungen würde ich wieder so treffen. Rückblickend ärgert es mich manchmal ein wenig, dass ich keines der vielen WWE Angebote angenommen habe. Ich hatte diese typisch deutsche Einstellung und war sehr loyal und korrekt gegenüber der WCW. Das war vielleicht ein Fehler von mir.
Wieso bist du nicht zur WWE gewechselt, als die WCW aufgekauft wurde? Du hattest doch mehrere Angebote?
Wright: Es gab mehrere Angebote der WWE, auch als die WCW noch schwarze Zahlen schrieb. Als die WCW dann aufgekauft wurde, fühlte ich mich aber psychisch und physisch ausgebrannt. Das ständige Reisen, die Verletzungen und die ganzen Spielchen, die hinter den Kulissen abliefen, hatten mich sehr müde gemacht und ihren Tribut gefordert. Ich wollte die Fans nicht enttäuschen, da ich wusste, dass ich zu diesem Zeitpunkt einfach keine Topleistungen mehr bringen konnte.
Könntest du dir eventuell ein Comeback als aktiver Wrestler vorstellen? Was wäre, wenn die WWE noch mal anklopfen würde?
Wright: Ich habe nie offiziell meinen Rücktritt beschlossen. Ein Angebot würde ich nur annehmen, wenn ich trotzdem genügend Zeit für meine Familie, meine Wrestlingschule und meine Liga hätte. Das wäre ein Traum. Einmal im Monat für ein paar Tage in den Ring steigen und die restliche Zeit in Deutschland zu verbringen. Aber ich bin sehr zufrieden mit meiner derzeitigen Situation.
Du hast mir erzählt, dass du dir ab und zu noch die WWE auf Eurosport ansiehst. Welche aktuellen Stars findest du gut? Wie hat sich das Business deiner Meinung nach entwickelt?
Wright: Es ist schön, wenn ich meine alten Kollegen sehe (Triple H, Booker T, Kevin Nash,… Anm. d. Red.). Die neuen Stars sind mir oft zu einfältig. Früher gab es irgendwie viel buntere Charaktere. Das hat sich sehr verändert. Ich habe wenig Zeit, aber die WWE Vintage Collection schaue ich mir ab und zu auf Eurosport an, vor allem weil ich es mag, dass du so respektvoll über die Athleten sprichst, Sebastian. Das macht mich sehr stolz und ich hoffe, du machst weiterhin so gute Arbeit.
Danke für dieses Kompliment! Alex, du betreibst seit Jahren deine eigene Wrestlingschule namens "The Wright Stuff"“ in Nürnberg und willst nun auch mit deiner Liga "New European Championship Wrestling" regelmäßig in Deutschland veranstalten. Von welchen neuen Entwicklungen gibt es zu berichten?
Wright: Momentan findet eine Umstrukturierung statt. Ich ziehe mit meiner Schule und der Liga in das "NEW Headquarter" nach Erlangen um. Dort habe ich eine 700m² große Halle gemietet, um noch mehr Nachwuchswrestler trainieren zu können. Im Dezember möchte ich auch wieder Shows veranstalten.
Du bist Vater eines Sohnes, Ehemann, Trainer und Inhaber einer Wrestlingliga. Wie oft findest du noch die Zeit, um selbst zu trainieren?
Wright: Momentan habe ich eigentlich gar keine Zeit. Der Umzug und die damit verbundenen logistischen und organisatorischen Maßnahmen lassen es einfach nicht zu. Ich hoffe jedoch, dass sich das bessert.
Alex, vielen Dank für das Interview. Möchtest du noch ein paar Worte an die Wrestlingfans in Europa richten?
Wright: Die Leute sind immer noch unglaublich loyal. Ich bekomme an manchen Tagen 100-150 Facebook- Anfragen. Ich kann gar nicht auf alle Mails, die ich geschickt bekomme, antworten. Wenn die Leute im Dezember ebenso enthusiastisch zu meinen NEW-Shows erscheinen, dann wäre ich überglücklich. Vielen Dank liebe Wrestlingfans!
TV-Tipp:
Verfolgen Sie die WWE bei Clash Time - immer Montags ab 21:09 Uhr auf Eurosport.
Eurosport
http://de.eurosport.yahoo.com





